Proktologie – Erkrankungen des Enddarms

Die Proktologie beschäftigt sich als medizinisches Teilgebiet mit sämtlichen Erkrankungen des Enddarmes. Inkludiert sind hierbei der sogenannte Grimmdarm, der Mastdarm und auch der Analkanal. Aus gesellschaftlicher Perspektive handelt es sich bei Erkrankungen im Bereich des Enddarms häufig um Tabuthemen und auch der Gang zum Proktologen wird von den meisten Betroffenen vermieden. Dabei geht die Forschung davon aus, dass mindestens jeder zweite Deutsche einmal in seinem Leben unter den Symptomen einer Erkrankung des Enddarms leidet. Viele Beschwerden von Betroffenen ließen sich vermeiden oder zumindest deutlich schneller beheben, wenn der Proktologe als Fachmediziner rechtzeitig aufgesucht würde.

 

Mögliche Krankheitsbilder und Symptome

Die Dunkelziffer bei Erkrankungen im Anal- oder Enddarmbereich ist relativ hoch. Von recht harmlosen Krankheitsbildern wie etwa Hämorrhoidalleiden oder Verstopfungen bis hin zu Kolon- und Rektumtumoren lassen sich die meisten Beschwerden nur durch eine medizinische Untersuchung beim Proktologen genau klassifizieren und anschließend auch fachgerecht behandeln. Eine Auflistung der gängigsten Krankheitsbilder aus dem Bereich der Proktologie liefert einen umfassenden Überblick:

  • Hämorrhoiden und Analfissuren: Bei einer Analfissur handelt es sich um einen Riss in der Haut des Analkanals, der zwar schmerzhaft ist, unter normalen Umständen aber von allein abheilt. Hämorrhoidalleiden basieren dagegen auf stark vergrößerten Gefäßpolstern im Afterkanal und gehen je nach Schweregrad mit verschiedenen Symptomen einher. Von Juckreiz und Brennen, bis hin zum Nässen, Schleimabgang oder Stuhlinkontinenz sind Beschwerden möglich und müssen entsprechend behandelt werden.
  • Analfisteln, -abszesse und -ekzeme
  • Analer Juckreiz
  • Akne inversa und Pilonidalsinus: Bei Acne inversa handelt es sich um Entzündungen der Haut, die im Genitalbereich, aber auch unter den Achseln vorkommen können. Eine Fistelbildung kann folgen. Hierzu gehört als Beispiel auch die sogenannte Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis), bei der zunächst eine Entzündung an den Haarwurzeln vorliegt, die sich später zu einer schmerzhaften Verlaufsform mit Eiterbildung und Schmerzen entwickeln kann.
  • Kolon- und Rektumtumore: Die sogenannten malignen Tumore, die sich an Grimmdarm und Mastdarm bilden können, gehören bereits jetzt zur zweithäufigsten Krebserkrankung sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Kolorektale Karzinome werden in der Regel unter dem Begriff Darmkrebs zusammengefasst und entstehen häufig aus Darmpolypen. Je früher bösartige Kolon- oder Rektumtumore erkannt werden, umso größer stehen die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung.
  • Anale Inkontinenz
  • Stuhlentleerungsstörungen und Verstopfungen
  • Rektumprolaps: Der Rektumprolaps wird auch als Mastdarmvorfall bezeichnet, wobei der Mastdarm durch den Anus nach außen fällt. Es werden verschiedene Typen von Rektumprolaps unterschieden, die jeweils unterschiedliche Therapiemöglichkeiten mit sich bringen. Inkontinenz, Blutungen sowie auch Schleimabgang können mögliche Begleiterscheinungen des Rektumprolaps sein.
  • Gastrointestinale Blutungen: Hierbei handelt es sich um eine Blutung innerhalb des Magen-Darm-Traktes, die entweder chronisch oder aber auch akut auftreten kann. In Abhängigkeit von der Schwere der Blutung und dem Auftrittsort müssen verschiedene Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden. Unbehandelt können gastrointestinale Blutungen zu erheblichen Blutverlusten führen.
  • Maligne und benigne Tumore der Perianalregion: Maligne oder benigne Tumore entsprechen der Unterteilung zwischen bösartigen und gutartigen Tumoren, die im Bereich der Perianalregion, sprich rund um den Anus auftreten können. In Abhängigkeit von der genauen Diagnose sowie dem Beschwerdebild des Patienten sind sowohl bei malignen wie auch bei benignen Tumoren entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

 

Untersuchungsmethoden im Bereich der Proktologie

Gerade wenn es um Erkrankungen oder Beschwerden im Bereich des Enddarms geht, scheuen viele Betroffene vor einer professionellen Untersuchung aus Gründen der Scham und Unwissenheit zurück. Dabei sind die Untersuchungen in der Regel binnen weniger Minuten erledigt und werden von Patienten im Nachhinein meist als deutlich weniger schlimm wahrgenommen. Darüber hinaus sind viele Untersuchungen unumgänglich, um ernsthafte Erkrankungen im Enddarm, wie beispielsweise ein malignes Karzinom zu erkennen und erfolgreich zu behandeln.

 

Vor jeder Behandlung findet eine ausführliche Anamnese statt. Hierbei sammelt der Arzt verschiedene Informationen über die individuelle Krankheitsgeschichte des Patienten. Anschließend wird in Abhängigkeit von der jeweiligen Krankheitsvermutung die entsprechende Untersuchungsmethode durchgeführt. Hierzu gehören beispielsweise die Palpation, bei der ein Stück des Enddarmes mit dem Finger betastet wird, die Proktoskopie, die Rektoskopie oder auch die Koloskopie. Für gewöhnlich ist es vorab notwendig, dass der Patient hierfür seinen Darm entleert. Dies kann notfalls auch mithilfe eines Einlaufs erfolgen. Unter Umständen lassen sich einige Untersuchungen wie beispielsweise die Spiegelung des kompletten Dickdarms (Koloskopie) auch unter einer leichten Narkose durchführen. Auch hierfür ist Ihr Facharzt der richtige Ansprechpartner. Vertrauensvoll erklärt er Ihnen nicht nur die einzelnen Schritte der jeweiligen Untersuchung, sondern beruhigt Sie zudem mit seiner Professionalität. Im Anschluss an die Untersuchung werden dann gegebenenfalls direkt alle notwendigen Therapiemaßnahmen ergriffen.